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Aufbaubildungsgang - Fachkraft für inklusive Bildungs- und Erziehungsarbeit

Hinweis

Heilerziehungspflegerinnen und Heilerziehungspfleger, die in der Praxis tätig sind und den Bildungsgang Fachkraft inklusive Bildung und Erziehung erfolgreich absolviert haben, können als Fachkräfte in der stationären Jugendhilfe eingesetzt werden.

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Informationen zum Berufs- und Arbeitsfeld

Der Aufbaubildungsgang „Fachkraft für inklusive Bildungs- und Erziehungsarbeit“ (FiBE) ist im Zusammenhang mit der Umsetzung des „Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderung“ (UN-BRK) zu verstehen.

Die Umsetzung in deutsches Recht fordert die Jugendhilfe und die Hilfe für Menschen mit Beeinträchtigung (Eingliederungshilfe) in ihren Arbeitsfeldern unterschiedlich heraus. Für alle Arbeitsfelder gilt, dass die jahrzenhntelange Trennung der Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe aufgehoben bzw. abgemildert werden wird.

Die maßgebliche Kategorie, dass Kinder und Jugendliche durch Institutionen gebildet, erzogen und betreut werden, ist ihr Alter (0 – 27 Jahre) und nicht das Sozialgesetzbuch, nach dem sie leistungsberechtigt sind. Die Teilnehmenden arbeiten in Kindertagesstätten, außerunterrichtlichen Angeboten von offenen Ganztagsschulen mit und ohne gemeinsames Lernen, in der stationären und teilstationären Jugend- und/oder Eingliederungshilfe. Sie sind motiviert Strukturen so zu verändern und Menschen zu unterstützen, dass das gleiche Recht aller Menschen auf volle Teilhabe an der Gesellschaft, unabhängig davon ob und wie stark Einzelne dabei unterstützt werden müssen, verwirklicht werden kann (vgl. Deutsche UNESCO-Kommission 2009).

Die Fachkraft für inklusive Bildungs- und Erziehungsarbeit ersetzt nicht die heilpädagogischen Fachkräfte.

Ihre Arbeitsschwerpunkte werden sein

  • Planung, Durchführung und Reflexion einer ressourcen- und resilienzorientierten
    Bildungs- und Erziehungsarbeit mit heterogenen Kinder- und Jugendgruppen
  • Mitgestaltung der Räumlichkeiten im Innen- und Außenbereich einer Einrichtung, besonderen Bedarf an Raumgestaltung feststellen und Barrieren abbauen, die die Teilnahme aller Kinder und Jugendlicher erschweren
  • Teamprozesse im eigenen Mitarbeiterinnen-/Mitarbeiterteam anregen, Formen institutioneller Diskriminierung zur Sprache bringen und im Team geeignete Formen inklusiver Arbeitsweisen entwickeln
  • die Konzeptarbeit der eigenen Einrichtung mittragen und an inklusiven
    Leitbildern ausrichten
  • in multiprofessionellen Teams (beispielsweise in Fallberatungen) die jeweiligen professionellen Perspektiven im Sinne einer inklusiven ganzheitlichen Sichtweise auf das Kind/den Jugendlichen zusammenzuführen
  • mit Eltern und Angehörigen Bildungspartnerschaften organisieren und partizipativ gestalten
  • die Zusammenarbeit mit externen Unterstützungssystemen und Sondereinrichtungen koordinieren und im Hinblick auf ihre jeweiligen Arbeitsziele bewerten
  • Kontakte zu geeigneten Kooperationspartnern im Sozialraum aufrechterhalten,
    ausbauen und vernetzen
  • in regionalen Netzwerken mitwirken und Einfluss auf politische
    Entscheidungen nehmen

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Informationen zur Fortbildung im Aufbaubildungsgang Fachkraft für inklusive Bildung und Erziehungsarbeit

Der Aufbaubildungsgang ist kompetenzorientiert aufgebaut, das heißt die Fachkräfte erwerben Selbst-, Fach- und Sozialkompetenz[1] Selbstkompetenz:

Die Teilnehmenden

  • halten Nähe und Distanz
  • sind reflexionsfähig
  • handeln empathisch, konsequent, transparent und wertorientiert
  • kennen ihre eigenen Stärken und Schwächen
  • arbeiten eigenständig und verantwortungsbewusst
  • handeln aus einer inklusiven Haltung heraus, die auf dem Respekt vor Verschiedenheit (Diversität) und Fremdheit basiert.

Fachkompetenz: Die Teilnehmenden

  • haben ein professionelles Verständnis von Inklusion
  • kennen die verschiedenen rechtlichen Grundlagen einer Pädagogik der Inklusion und Vielfalt
  • setzen sich mit den verschiedenen Lebenswelten auseinander
  • kennen die Entwicklungsprozesse von Kindern und Jugendlichen
  • sind in der Lage Teilhabechancen durch verschiedene Handlungskonzepte zu ermöglichen
  • sind in der Lage Team und Organisation zu unterstützen
  • können sozialraumorientiert und vernetzt arbeiten.

Sozialkompetenz: Die Teilnehmenden

  • sind kommunikations- und konfliktkompetent
  • sind teamfähig
  • sind kritikfähig


[1] Vgl. Matrix Niveau 6 des Deutschen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen

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Didaktisch/methodische Konzeption

Lehren und Lernen in der Erwachsenenbildung gestaltet sich als Beratungs- und Moderationsprozess eines weitestgehend selbstgesteuerten Lernens der Teilnehmenden. Sie sind für den Erfolg des Prozesses in hohem Maße selbst verantwortlich. Mit den Dozierenden und dem Lernteam begeben sie sich auf einen individuellen Erfahrungsweg, der an den bereits erworbenen Kompetenzen in Ausbildung, Beruf und privater Sozialisation anknüpft.

In besonderem Maße geht es in der Fortbildung um die Entwicklung einer Haltung, die inklusives Denken und Handeln in der Praxis unterstützt.

Die Fortbildung wird in 6 Lernfeldern organisiert, folgt der Lernfelddidaktik und umfasst insgesamt 600 Stunden.

Lernfeld 1: Grundlagen für ein professionelles inklusionspädagogisches Handeln entwickeln ca. 100 U-Stunden

  • Begriffsbestimmung Inklusion / Standpunkte
  • Völker- und menschenrechtliche Grundlagen (Menschenrechte, Behindertenrechtskonvention, Kinderrechte, Grundgesetz)
  • Sozialgesetzliche Grundlagen
  • Konzept Inklusion / Indices für Inklusion
  • Strukturen des deutschen Jugend-, Eingliederungshilfe- und Bildungssystems

Lernfeld 2: Diversität von Lebenswelten anerkennen und umfassende Möglichkeiten der Teilhabe eröffnen ca. 120 U-Stunden

  • Lebenswelten, Lebenslagen und soziale Räume
  • Soziale Ausgrenzung vs. gesellschaftlicher Integration
  • Ängste, Vorurteile, Stigmata
  • Paradigmenwechsel: Von der Integration zur Inklusion
  • Inklusion, Partizipation und Empowerment (Wohnen, Bilden, Arbeit, Freizeit)

Lernfeld 3: Grundlagen der Entwicklung im Kindes- und Jugendalter antizipieren und sichere Bindungs- und Identitätsbildungsprozesse unterstützen ca. 100 U-Stunden

  • Beeinträchtigende Lebensumstände
  • Barrieren der Teilhabe
  • Spezifische Lebens- und Entwicklungsbedingungen
  • Entwicklungsprozesse und Entwicklungsaufgaben im Kindes- und Jugendalter
  • Methodenkenntnisse zur ressourcenorientierten Wahrnehmung, Beobachtung und Dokumentation
  • Systematiken und Klassifikationen (ICF, ICD 10)

Lernfeld 4: Handlungskonzepte inklusiver Pädagogik unter Berücksichtigung besonderer pädagogischer und pflegerischer Spezifika entwickeln ca. 120 U-Stunden

  • Rechtliche Grundlagen (SGB, Kinderbildungsgesetz, Schulrecht)
  • Bedarfsanalysen (AoSF, diagnostische Verfahren)
  • Planvolles Handeln (HPG, Teilhabeplanung)
  • Pädagogik der Vielfalt
  • Ressourcenorientierte Begleitung von Kindern und Jugendlichen
  • Ausgewählte pädagogische Handlungskonzepte für die inklusive Bildungsarbeit
  • Pflegerisches Handeln unter medizinischen und pädagogischen Aspekten

Lernfeld 5: Professionelle pädagogische und organisatorische Handlungskompetenzen für die Arbeit in multiprofessionellen Teams, Institutionen und Netzwerken zur Implementierung inklusiver Strukturen entwickeln ca. 80 U-Stunden

  • Professionelle Gesprächsführung
  • Bildungs- und Erziehungspartnerschaft
  • Teamentwicklung/Gruppenstrukturen
  • Sozialraumanalyse und –entwicklung
  • Netzwerkarbeit
  • Organisationsentwicklung (systemisch)
  • Qualitätsentwicklung
  • Dokumentation

Lernfeld 6: Projektarbeit/Implementierung eines innovativen Elementes inklusiver Arbeit in das eigene Praxisfeld ca. 80 U-Stunden

  • Projektmethode
  • Planung, Durchführung und Evaluation eines Projektes – unterstützt durch ein Team des Kurses

Da die Studierenden aus unterschiedlichen Arbeitsfelder kommen und unterschiedliche Professionen und entsprechende Fachkenntnisse mitbringen, wird v.a. in den Lernfeldern 3 und 4 binnendifferenziert gearbeitet.

Die Lernfelder 1 bis 5 werden durch Lernsituationen und dazugehörige Aufgabenstellungen strukturiert. Im 6. Lernfeld findet die Projektarbeit statt.

Es werden verschiedene Lernformen miteinander kombiniert.

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Seminarkonzept

Präsenzunterricht

Unter Präsenzunterricht wird der Unterricht am Donnerstag, am Freitag und in der Kompaktwoche verstanden.

An den beiden Seminartagen findet der Unterricht in Düsseldorf im LVR-Berufskolleg statt.

Während der Kompaktwoche absolvieren die Teilnehmenden ein Praktikum in einem ihnen fremden Arbeitsfeld. Dabei überkreuzen sich die Ausbildungen der Studierenden und ihre Praktikumsfelder.

Selbstorganisiertes Lernen (soL)

Lernfeldaufgaben (ca. 60 Stunden)

In den Lernfeldern 1-5 bearbeiten die Studierenden selbstorganisiert jeweils eine entsprechende Lernfeldaufgabe, die als Hausaufgabe zu erbringen ist. Hierbei kann es sowohl um einen Wissenstransfer gehen (Recht und Gesetz, pädagogische Konzepte zur Inklusion, besondere Herausforderungen verschiedener Arbeitsfelder, Team- und Organisationsentwicklung) als auch um eine Auseinandersetzung mit der inklusiven Haltung auf individueller und organisatorischer Ebene.

Kollegiale Beratung

Die Studierenden bilden Beratungsgruppen und führen, zunächst unter Anleitung einer Lehrkraft, im Berufskolleg Fallberatungen durch.

Kompetenzentwicklungsbegleitung

Anhand eines Kompetenzentwicklungsrasters werden die Studierenden ihre Kompetenzen selbstständig einschätzen und in einer Kleingruppe thematisieren. Ziel ist es individuelle Stärken zu erkennen und Entwicklungsmöglichkeiten herauszuarbeiten und diese als Lernvereinbarung festzuhalten.

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Aufnahmevoraussetzung

  • Abschluss einer Fachschule des Sozial - oder Gesundheitswesens
  • oder andere pädagogische oder vergleichbare Abschlüsse (z. B. Bachelor)
  • Arbeits- oder Praktikumsplatz in einer Einrichtung der Jugend- oder Eingliederungshilfe oder einer vergleichbaren Einrichtung
  • Zusage des Arbeitgebers zur Teilnahme an der Fortbildung

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Prüfung und Zeugnis

In den einzelnen Lernfeldern ermitteln die Dozentinnen und Dozenten Noten über die Leistungen. In der Regel bewerten sie die Mitarbeit und die erbrachten Arbeitsleistungen (Präsentationen, Ausarbeitungen) Die Notenrückmeldungen erfolgen mündlich oder schriftlich.

Am Ende der Fortbildung müssen die Teilnehmenden eine Abschlussprüfung, die aus zwei aufeinander bezogenen Teilen besteht, ablegen.

  • Durchführung und Dokumentation eines selbstgewählten Projektes aus dem Arbeitsfeld des Teilnehmenden
  • Die Ergebnisse des Projektes werden öffentlich und im Kolloquium präsentiert.

Bei nicht ausreichenden Leistungen ist die Prüfung nicht bestanden und kann innerhalb eines Jahres wiederholt werden.

Nach bestandener Abschlussprüfung erhalten die Teilnehmenden ein Zeugnis. Das Zeugnis informiert über die Fortbildungsinhalte, die erzielten Leistungen in einzelnen Lernfeldern und in der Abschlussprüfung.
Es verleiht den Titel der Fachkraft für inklusive Bildungs- und Erziehungsarbeit.
Als Heilerziehungspfleger*in sind sie berechtigt als Fachkraft in Einrichtungen der Hilfen zur Erziehung zu arbeiten.

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Form und Organisation

Der Kurs dauert 1 Jahr. Er beginnt jeweils nach den Sommerferien und endet vor den Sommerferien des Schuljahres. Es gilt die Ferienordnung des Landes NRW.

Der Kurs ist wie folgt (PDF, 31 kB) aufgebaut.

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Kosten

Für die Teilnahme werden keine Gebühren erhoben

Für Lernmittel muss ein Eigenanteil von 150,-€ erbracht werden

Bei frühzeitigen Ausscheiden kann der Eigenanteil nicht erstattet werden.

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Bewerbung

  • Lebenslauf
  • 2 Passbilder
  • Kopien des Abschlusszeugnisses
  • und der staatlichen Anerkennung
  • Nachweis einer beruflichen Tätigkeit in einer Einrichtung der Jugend- oder Eingliederungshilfe (mindestens halbe Stelle)
  • Zusage des Arbeitgebers zur Teilnahme (kann nachgereicht werden)
  • Aktuelles "Erweitertes Führungszeugnis" (muss spätestens bei Fortbildungsbeginn vorliegen)

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Ansprechpartner

Anfragen und Bewerbungen richten Sie bitte an das

LVR-Berufskolleg
Aufbaubildungsgang Fachkraft für inklusive Bildung und Erziehung
Herrn Schönberger
Am Großen Dern 10
40625 Düsseldorf

Ansprechpartner

Herr Dietmar Schönberger
Tel.: +49 (0)211 291993-117
Fax: +49 (0)211 291993-123
E-Mail: dietmar.schoenberger@lvr.de

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